Keuchhusten bei Kindern

Keuchhusten wird in der Medizin auch als Pertussis bezeichnet und tritt weltweit auf. In Deutschland kommt die Erkrankung ganzjährig vor, im Herbst und Winter etwas häufiger als in der wärmeren Jahreszeit. Der Erreger des Keuchhustens ist das Bakterium Bordetella pertussis, das verschiedene Toxine (Giftstoffe) bildet, die für die Symptome verantwortlich sind. Die Erreger werden von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion im Zusammenhang mit Husten oder Niesen übertragen. Ungeimpfte Kinder erkranken nach Kontakt mit einem Erkrankten zu nahezu 100 Prozent. Keuchhusten läuft in drei charakteristischen Phasen ab und kann besonders bei jungen Säuglingen und Kleinkindern lebensbedrohlich werden. Die Impfquoten für Keuchhusten liegen laut Robert Koch Institut hoch. 2012 waren 95 Prozent der Schulanfänger geschützt. Erkrankungswellen wurden nun bei Jugendlichen beobachtet, deren Impfschutz nachließ. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher eine Auffrischung der Impfung mit fünf bis sechs und zwischen neun und 17 Jahren. Obwohl der Keuchhusten in seinem Vollbild zu den klassischen Kinderkrankheiten gehört, sind über 60 Prozent der Erkrankten Erwachsene.

Wichtiges in Kürze

Inkubationszeit: 7 - 14 Tage

Ansteckungszeitraum: ab dem siebten Tag der Inkubationszeit bis zum Lebensende der Bakterien circa vier bis fünf Wochen nach Krankheitsbeginn

Durch die Erkrankung erworbene Immunität: hält nur begrenzt an, nicht lebenslang

Vorbeugen: Impfung in einem Alter von zwei, drei und vier vollendeten Lebensmonaten, eine vierte Dosis zwischen 11 und 14 Lebensmonaten. Auffrischimpfung in Kombination mit Tetanus und Diphterie im Alter von fünf bis sechs Lebensjahren. Zwischen neun und 17 Jahren folgt eine weitere Dosis des Pertussisimpfstoffs. Im Erwachsenenalter wird eine einmalige Auffrischung empfohlen.

Ursache des Keuchhustens

Keuchhusten wird bakteriell durch Bordetella pertussis ausgelöst. Der Erreger ist ein kleines Stäbchenbakterium, das verschiedene Toxine (Giftstoffe) bildet, welche die charakteristischen Symptome der Erkrankung hervorrufen. Über Nase und Rachenraum gelangen die Bakterien in Tröpfchen bis in die Bronchien, wo sie an den Zellen der Schleimhaut anhaften und beginnen sich zu vermehren, Toxine zu bilden und eine Entzündungsreaktion auszulösen. Im Verlauf der Erkrankung bildet sich zäher Schleim in den Atemwegen. Die Toxine verhindern den Abtransport des Sekrets und reizen das Hustenzentrum.

Keuchhusten Symptome - Charakteristische Hustenanfälle

Keuchhusten ist eine langwierige Erkrankung, die sich über Wochen bis Monate hinziehen kann. Eine erste Infektion mit Pertussis bei Kindern läuft in drei Stadien ab:

Stadium catarrhale (ein bis zwei Wochen)

Keuchhusten beginnt mit leichtem Husten, Schnupfen, Abgeschlagenheit und höchstens leichtem Fieber. Eine Rötung der Bindehaut im Auge wird bei manchen Patienten beobachtet.

Stadium convulsivum (vier bis sechs Wochen)

Jetzt beginnen die typischen Symptome mit starken Hustenanfällen, die durch stakkatoartige Hustenstöße mit anschließend keuchender Einatmung gekennzeichnet sind. Sie unterscheiden sich in ihrer Heftigkeit deutlich von einem einfachen trockenen Reizhusten. Häufig strecken die Kinder beim Husten die Zunge heraus. Es kann eine deutliche Blässe des Gesichts auftreten. Der hohe Druck der Hustenanfälle kann kleine punktförmige Blutungen in der Gesichtshaut (Petechien) und in den Augen auslösen. Nach einer Attacke würgen viele Patienten zähen Schleim hoch und erbrechen. Die Anfälle treten meist nachts auf. Säuglinge unter sechs Monaten halten eher die Luft an (Apnoe) statt zu Husten.

Stadium decrementi (sechs bis zehn Wochen)

Die Hustenattacken lassen langsam nach. Körperliche Anstrengung und eine Reizung der Atemwege, zum Beispiel durch Zigarettenrauch, kann weiterhin Anfälle auslösen.

Sind Jugendliche und Erwachsene von Keuchhusten betroffen, husten sie häufig über eine lange Zeit, ohne die typischen beeindruckenden Attacken zu zeigen.

Risiken und Komplikationen von Keuchhusten

Treten Komplikationen im Zusammenhang mit einer Keuchhustenerkrankung auf, sind die Betroffenen meist ungeimpfte Säuglinge unter sechs Monaten. Kurze Episoden mit Atemstillstand (Apnoen) können lebensgefährlich werden. Weitere Komplikationen sind:

  • Lungenentzündung
  • Mittelohrentzündung
  • Schädigung des Gehirns mit Krampfanfällen und Bewusstseinsstörung
  • Stirnhöhlenentzündungen
  • Inkontinenz
  • Rippenbrüche und Gehirnblutungen

Behandlung des Keuchhustens

Wird der Keuchhusten früh diagnostiziert, kann eine Behandlung mit Antibiotika den Verlauf der Erkrankung mildern. Zusätzlich wird die Zeit der Ansteckungsfähigkeit verkürzt. Gängige antibiotische Wirkstoffe sind Azithromycin, Clarithromycinund Roxithromycin. Ältere Ersatzpräparate sind Erythromycin und Cotrimoxazol. Die Patienten nehmen das jeweilige Antibiotikum für 14 Tage ein. Zusätzlich hilft viel Flüssigkeit in Kombination mit einem schleimlösenden Medikament dabei, den zähen Schleim abzuhusten. Kleine Mahlzeiten reduzieren den Würgereiz und Ruhe kann helfen, die Anzahl der Hustenattacken zu verringern. Warme Brustwickel sind ein beliebtes Hausmittel, um Husten zu lindern. Sie können auch bei Pertussis etwas Erleichterung für den Patienten bringen.

Klinikaufenthalt für Säuglinge

Da die jüngsten Patienten den Schleim nicht ausreichend abhusten können und außerdem durch kurze Atemstillstände gefährdet sind, werden sie stationär in ein Kinderkrankenhaus aufgenommen. Dort kann der Schleim regelmäßig mit einem Gerät abgesaugt werden und ein Monitor überwacht die Atmung. Das Antibiotikum kann über einen venösen Zugang verabreicht werden, eventuell kombiniert mit Kortison und einer Infusionstherapie. Inhalationen lösen den Schleim zusätzlich und entspannen die Bronchien.

Impfung beugt Keuchhusten vor

Um den einzelnen Menschen, aber auch die noch nicht geimpften Neugeborenen und Säuglinge vor dem Keuchhusten zu schützen, hat die Ständige Impfkommission des Robert Koch Instituts (STIKO) eine breit angelegte Impfempfehlung entwickelt. Die hohe Anzahl der Dosen und Auffrischungsimpfungen begründet sich in der begrenzten Dauer der Immunität nach Erkrankung und Impfung. Die erste Impfung wird im Rahmen der empfohlenen Fünf- oder Sechsfachimmunisierung direkt nach Vollendung des zweiten Lebensmonats angestrebt. Es folgen weitere Dosen eines hoch konzentrierten Impfstoffs im Alter von drei und vier Lebensmonaten. Die letzte Dosis der Grundimmunisierung erhalten die Kinder zwischen 11 und 14 Lebensmonaten. Eine erste Auffrischungsimpfung ist für ein Alter von fünf bis sechs Jahren vorgesehen. Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie können zu diesem Zeitpunkt kombiniert werden. Im Alter zwischen neun und 17 Jahren erfolgt die nächste Pertussisimpfung zusammen mit der Immunisierung gegen Tetanus, Diphtherie und Polio. Für Erwachsene empfiehlt die STIKO eine einmalige Auffrischungsimpfung gegen Keuchhusten in Kombination mit einer Impfung gegen Diphtherie und Tetanus.

Zum Schutz des Umfelds empfiehlt die STIKO zudem die Überprüfung des Pertussisimpfschutzes von:

  • Mitarbeitern in Gemeinschaftseinrichtungen
  • medizinischem Personal
  • Frauen im gebärfähigen Alter
  • engen Kontaktpersonen von Neugeborenen und jungen Säuglingen
  • ungeimpften Müttern direkt nach der Geburt des Kindes, wenn zuvor versäumt

Quellen:

Stand: 02.12.2016