Kinderkrankheiten im Überblick

Windpocken, Masern oder Mumps – dies sind nur einige der Krankheiten, an denen viele Kinder erkranken. Eben weil diese Erkrankungen häufig im Kindesalter auftreten, zählen sie auch zu den typischen Kinderkrankheiten. War man als Kind bereits einmal von einer dieser Krankheiten betroffen, besteht für die meisten Kinderkrankheiten eine lebenslange Immunität. Gibt es allerdings einen Impfstoff, rufen Ärzte zur Vorsorge auf: Eltern sollten ihre Kinder entsprechend impfen lassen.  

Die folgende Auflistung zeigt typische Kinderkrankheiten. 

Masern (Morbili)

Masern sind hoch ansteckend, der Virus wird per Tröpfcheninfektion übertragen. Typisch für Masern ist der Verlauf in zwei Stadien: ein grippeähnliches Vorstadium sowie das Hauptstadium, was mit dem typischen Hautausschlag einhergeht. Dieser ist dunkelrot, großfleckig und unregelmäßig begrenzt. Beginnend hinter den Ohren, breitet sich der Ausschlag in der Folge über Gesicht und Hals aus. Schließlich bedeckt dieser nach wenigen Tagen auch Arme, Beine und Rumpf.

Inkubationszeit: 9-12 Tage

Ansteckungszeitraum: 5 Tage vor bis 4Tage nach Auftreten des Hautausschlags

Durch die Erkrankung erworbene Immunität: lebenslang

Vorbeugen: Impfung zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat, meist in Kombination mit Impfung gegen Mumps und Röteln (MMR)

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Mumps (Parotitis epidemica)

Mumps ist im Volksmund auch als Ziegenpeter geläufig. Die hochansteckende Krankheit wird durch einen Virus hervorgerufen und per Schmier- bzw. Tröpfcheninfektion übertragen. Neben allgemeinen Krankheitsanzeichen wie Abgeschlagenheit und Fieber kommt es bei Mumps häufig zur ein- oder beidseitigen Schwellung und Entzündung der Ohrspeicheldrüse, was sich durch die typischen dicken Backen oder ‚Hamsterbacken‘ äußert.

Inkubationszeit: 12-25 Tage, durchschnittlich etwa 2 Wochen

Ansteckungszeitraum: 3 Tage vor bis 9 Tage nach Beginn der Drüsenschwellung

Durch die Erkrankung erworbene Immunität: lebenslang

Vorbeugen: Impfung ab dem 12. Lebensmonat in Kombination mit Masern und Röteln (MMR)

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Röteln

Bei Röteln handelt es sich um eine Virusinfektion, die per Tröpfcheninfektion übertragen wird und hochansteckend ist, für gewöhnlich aber im Kindesalter einen milden Krankheitsverlauf hat. Problematisch können Röteln hingegen während der Schwangerschaft werden, da eine Ansteckung in dieser Zeit zu Missbildungen und Schädigungen des ungeborenen Kindes führen kann. Umso wichtiger ist deshalb ein ausreichender Impfschutz. Für die Symptomatik typisch ist ein roter Hautausschlag, ähnlich einer allergischen Reaktion.

Inkubationszeit: 14-21 Tage

Ansteckungszeitraum: 7 Tage vor Beginn des Ausschlags bis 7 Tage nach seinem Abklingen.

Durch die Erkrankung erworbene Immunität: lebenslang

Vorbeugen: Impfung im Rahmen der Masern-Mumps-Schutzimpfung (MMR) zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat, eine zweite Impfung bis zum Ende des 2. Lebensjahres

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Scharlach

Scharlach gehört zu den Infektionskrankheiten, die durch Streptokokken-Bakterien ausgelöst und per Tröpfcheninfektion übertragen wird. Die Erkrankung geht neben Fieber, Schluckbeschwerden und Halsschmerzen typischerweise mit einem Hautausschlag am gesamten Körper und einer geröteten Zunge, auch Himbeer- oder Erdbeerzunge genannt, einher.

Bislang kann keine andauernde und lebenslängliche Immunität garantiert werden. Eine Schutzimpfung gegen Scharlach existiert bisher nicht. Als gute Therapiemöglichkeit gilt die antibiotische Gabe von Penicillin.

Inkubationszeit: 2-4 Tage

Ansteckungszeitraum: Ansteckend mit den ersten Symptomen bis 2 Tage nach Beginn der Penicillin-Therapie

Durch die Erkrankung erworbene Immunität: bislang nicht klar

Vorbeugen: keine Vorbeugung möglich

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Windpocken

Windpocken werden durch Viren übertragen und per Tröpfcheninfektion an Personen weitergegeben. Die Erkrankung ist hoch ansteckend und typischerweise tritt am gesamten Körper schubweise Ausschlag auf. Was zunächst mit roten Flecken beginnt, entwickelt sich im weiteren Verlauf zunächst zu Knötchen und dann zu Bläschen. Diese können aufplatzen, stark jucken und nässen.

Der Krankheitserreger der Windpocken ist das Varizella-Zoster-Virus, kurz VZV. Nach überstandener Infektion verbleiben diese weiterhin als stumme Viren im Körper. Werden die Viren dann wieder nach Jahren durch Stress oder ein geschwächtes Immunsystem aktiv, führen diese im Erwachsenenalter häufig eine Gürtelrose (Herpes zoster) herbei.

Inkubationszeit: 10-21 Tage (meist 14-17)

Ansteckungszeitraum: 2 Tage vor Auftreten der ersten Bläschen und 5-7 Tage nach Auftreten der letzten Bläschen

Durch die Erkrankung erworbene Immunität: lebenslang

Vorbeugen: Windpocken-Impfung (möglich ab dem 9. bzw. 12. Lebensmonat)

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Keuchhusten

Keuchhusten ist eine hochansteckende Infektionskrankheit der Atemwege. Die Erkrankung wird durch Bakterien verursacht, die per Tröpfcheninfektion übertragen werden und so auf die Schleimhäute von Rachen und Bronchien gelangen. Aufeinanderfolgende Hustenanfälle, die durch die große Anstrengung zum Teil auch mit Erbrechen einhergehen können sowie hörbares keuchendes Einatmen sind charakteristisch für die Erkrankung. Besonders bei Säuglingen unter einem Jahr kann Keuchhusten gefährlich sein, denn statt Hustenanfällen treten hier vermehrt Atemstillstände auf.

Inkubationszeit: 7-20 Tage

Ansteckungszeitraum: etwa 5 Wochen ab Auftreten des ersten Hustens, durch Antibiotikagabe wird die Ansteckung nach etwa 2 Wochen gestoppt

Durch die Erkrankung erworbene Immunität: unterschiedlich, zwischen 10 und 20 Jahren

Vorbeugen: Impfung - in Kombination mit Impfung gegen Diphtherie und Tetanus – dreimalige Impfung im ersten Lebensjahr, beginnend ab der 9. Lebenswoche, danach Auffrischung zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat (Grundimmunisierung). Erneute Auffrischung bei Kindern zwischen dem 5. und 6. Lebensjahr bzw. bei Jugendlichen zwischen dem 9. und 18. Lebensjahr.

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Drei-Tage-Fieber

Das Drei-Tage-Fieber ist eine ansteckende und durch zwei Arten von Herpesviren verursachte Infektionskrankheit. Auf ein meist dreitägiges Fieber tritt ein plötzlicher Hautausschlag auf. Meist sind Kleinkinder zwischen sechs Monaten und drei Jahren betroffen. In der Regel ist der Krankheitsverlauf jedoch harmlos.

Inkubationszeit: 7-17 Tage

Ansteckungszeitraum: 3 Tage vor dem Fieber bis zum Beginn des Ausschlags

Durch die Erkrankung erworbene Immunität: lebenslang

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Diphtherie

Bei Diphtherie handelt es sich um eine akut auftretende und durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit, die per Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen wird. Die Bakterien scheiden ein Gift aus und rufen dadurch Schleimhautveränderungen hervor. Diphtherie zeigt sich besonders in den infizierten Bereichen durch Symptome, sprich an den Mandeln sowie im Bereich von Hals, Nasen und Rachen und verursacht dort schmerzhafte Entzündungen.

Zwar ist die Krankheit in den Industriestaaten sehr selten geworden, kann aber dennoch auftreten. Umso wichtiger ist aus diesem Grund eine Schutzimpfung, denn Diphtherie kann im schlimmsten Fall tödlich enden.

Inkubationszeit: 1-7 Tage

Ansteckungszeitraum: ab Ausbruch der Krankheit solange, wie der Erreger nachgewiesen werden kann

Durch die Erkrankung erworbene Immunität: etwa 10 Jahre

Vorbeugen: Schutzimpfung - Grundimmunisierung im Kleinkindalter, eine Auffrischung mit 5-6 Jahren, zweite Auffrischung mit 9-17 Jahren

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Pseudokrupp

Pseudokrupp tritt besonders bei Säuglingen und Kleinkindern im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren auf, ist jedoch nicht ansteckend. Die durch Viren verursachte Krankheit ist charakterisiert durch anfallartig auftretenden und bellenden Husten, der bevorzugt nachts auftritt. Durch Schleimhautentzündungen und –schwellungen im Bereich des Kehlkopfes bekommen die Kinder nur sehr schlecht Luft. Auch krankhafte Atemgeräusche sind ein typisches Merkmal. Bei  schwerem Pseudokrupp mit Atemnot sollte der Notarzt gerufen werden.

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Pfeiffersches Drüsenfieber

Pfeiffersches Drüsenfieber ist eine hochansteckende Viruserkrankung, deren Übertragung per Tröpfcheninfektion erfolgt. Hauptsächlich wird die Krankheit über den Speichel bzw. Mund übertragen, weshalb Pfeiffersches Drüsenfieber auch unter der Bezeichnung ‚Kusskrankheit‘ bekannt ist. Auslöser ist das Epstein-Barr-Virus (EBV), ein Vertreter der Herpesviren. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene erkranken häufig, jedoch können auch Kinder im Kindergarten- sowie Grundschulalter betroffen sein. Die auftretenden Symptome sind vom Alter der erkrankten Person abhängig. Während bei kleinen Kindern Pfeiffersches Drüsenfieber häufig den Verlauf eines schweren fieberhaften Infekts aufweist, kann die Erkrankung jedoch auch nahezu ohne Symptome auftreten. Bis zu 95 Prozent der der Menschen tragen das Epstein-Barr-Virus in sich ohne überhaupt etwas davon zu wissen.

Inkubationszeit: zwischen wenigen Tagen bis zu 6 Wochen

Ansteckungszeitraum: Ansteckung ist bereits möglich, bevor Krankheitssymptome auftreten. Das Virus kann sich auch noch Wochen bis Monate nach der Infektion im Speichel befinden.

Durch die Erkrankung erworbene Immunität: lebenslang

Vorbeugen: Kontaktvermeidung zu akut erkrankten Personen

Poliomyelitis (Kinderlähmung)

Bei Poliomyelitis, kurz Polio, handelt es sich um eine sehr ansteckende und durch drei verschiedene Polio-Viren hervorgerufene Infektionskrankheit. Dabei befällt die Erkrankung muskelsteuernde Nervenzellen des Rückenmarks, was damit verbunden zu bleibenden Lähmungserscheinungen führt und in der Folge tödlich enden kann. Vorwiegend sind Kinder zwischen drei und acht Jahren betroffen, allerdings ist die Krankheit dank der Polio-Impfung immer seltener geworden und gilt in Deutschland offiziell als ausgerottet.  Wichtig ist dennoch die konsequente Impfung, um zu verhindern, dass Kinderlähmung erneut ausbricht.

Inkubationszeit: 3-35 Tage

Ansteckungszeitraum: vom Symptombeginn an solange, bis keine Viren mehr in den Ausscheidungen nachweisbar sind

Durch die Erkrankung erworbene Immunität: lebenslang gegen einen Virustyp

Vorbeugen: Polio-Impfung (Grundimmunisierung mit 6-fach-Kombinationsimpfstoff nach dem vollendeten 2., 3. Und 4. Lebensmonat sowie nach vollendeten 11. bis 14. Lebensmonat, Auffrischung im Alter zwischen 9 und 17 Jahren)

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Weitere Informationen zu Kinderkrankheiten

Immunsystem baut sich langsam auf

Während der Schwangerschaft und Stillzeit haben Säuglinge einen so genannten Nestschutz, denn in dieser Zeit bekommen sie Antikörper von der Mutter mit. Dieser Schutz nimmt jedoch ab und das eigene Immunsystem muss sich im Laufe der Zeit erst aufbauen. Demnach sind Kinder anfälliger für Krankheiten.

Bakterien und Viren vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen

Häufig erkranken Kinder erst, wenn sie Kontakt zu anderen Kindern haben. Dies ist vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen wie Krippe, Kindergarten oder Grundschule der Fall, denn hier verbreiten sich die Krankheitserreger besonders schnell.

Typische Kinderkrankheiten sind sehr ansteckend

Die meisten Kinderkrankheiten sind bereits während der Inkubationszeit, also dem Zeitraum zwischen der Infektion mit dem Erreger sowie dem Ausbruch der ersten Symptome ansteckend. Die Gefahr einer Ansteckung ist aus diesem Grund schlecht vorhersehbar.

Oftmals eindeutige Symptome

Typische Kinderkrankheiten zeigen sich meist durch eindeutige Symptome und weisen einen typischen Krankheitsverlauf auf. Für Kinderärzte lässt sich anhand dessen schnell die richtige Diagnose stellen.

Verbot des Aufenthaltes in Gemeinschaftseinrichtungen

Das Infektionsschutzgesetz bildet die gesetzliche Grundlage für Impfungen sowie zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten in Deutschland. Darüber hinaus sind auch die ansteckenden Krankheiten festgehalten, bei denen im Falle eines Erkrankungsfalls oder bei Verdacht auf eine ansteckende Infektionserkrankung, eine Gemeinschaftseinrichtung solange nicht besucht werden darf, bis ein ärztliches Urteil belegt, dass keine Ansteckungsgefahr mehr von der betroffenen Person ausgeht. Dies betrifft unter anderem folgende Erkrankungen: Masern, Mumps, Windpocken, Scharlach, Windpocken oder Keuchhusten.

Auch Erwachsene können erkranken

Nicht immer sind Kinderkrankheiten harmlos in ihrem Verlauf und sollten aus diesem rechtzeitig behandelt werden. Sind Impfstoffe verfügbar, sollten Eltern ihre Kinder unbedingt auch impfen lassen, um eine vorsorgende Immunität gegen die Krankheitserreger aufzubauen.

Hatten Erwachsene im Kindesalter Krankheiten nicht, können diese auch im höheren Alter noch auftreten. Besteht zudem kein ausreichender Impfschutz, können die vermeintlichen Kinderkrankheiten zudem einen schwierigen Verlauf aufweisen. So gilt auch hier: Impfungen, wenn notwendig, immer wieder auffrischen lassen.