Scharlach beim Baby und Kind

Scharlach ist eine klassische Kinderkrankheit, kann aber auch Erwachsene betreffen. Die ansteckende Infektion wird durch spezielle Bakterien, die A-Streptokokken, verursacht. Der Häufigkeitsgipfel liegt bei den Fünf- bis Elfjährigen. Scharlach setzt sich aus den Symptomen Rachenentzündung (Pharyngitis), Mandelentzündung (Tonsillitis) und feinfleckiger, diffuser rötlicher Hautausschlag (Exanthem) zusammen. Die Erkrankung tritt häufig im Spätwinter oder im Frühling auf. Scharlach kommt auf der ganzen Welt vor und ist eine der häufigsten bakteriell verursachten Krankheiten im Kindesalter. Die A-Streptokokken werden durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen.

Das Wichtigste in Kürze

Inkubationszeit: 1 - 8 Tage

Ansteckungszeitraum: zwei bis drei Wochen nach Infektion

Durch die Erkrankung erworbene Immunität: keine, erneute Infektionen laufen aber häufig ohne Ausschlag ab und sind daher streng genommen kein Scharlach

Vorbeugen: nicht sicher möglich, Kontakt zu Erkrankten meiden

Ursachen der Erkrankung

Der Erreger des Scharlachs ist weltweit verbreitet. A-Streptokokken (Streptococcus pyogenes) besitzen Bausteine in ihre Zellwand, die ihnen das Eindringen in menschliche Körperzellen ermöglichen. Zusätzlich entziehen sie sich den Fresszellen (Phagozyten) des Immunsystems. Die Keime befallen bei Kindern speziell die Atemwege und die Haut. Übertragen werden sie durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen) und durch Schmierinfektion (Lebensmittel, Wasser, verunreinigte Gegenstände wie Besteck und Spielzeug). Bei circa 20 Prozent der Bevölkerung können A-Streptokokken im Rachen nachgewiesen werden, ohne dass die Bakterien diese Menschen krank machen.

Scharlach Symptome

Infiziert sich ein Kind mit dem Erreger des Scharlach, sind nach einem bis acht Tagen die ersten Symptome zu bemerken. Es tritt unerwartet

  • Fieber auf, das rasch ansteigt und von
  • Halsschmerzen,
  • Kopfschmerzen,
  • Gliederschmerzen,
  • Übelkeit und
  • allgemeinem Krankheitsgefühl begleitet sein kann.

Typisches Symptom ist die „Erdbeer- bzw. Himbeerzunge“

Bei der Untersuchung fallen dem Kinderarzt die dunkelrote Hinterwand des Rachens und die hochroten, geschwollenen Mandeln mit gelblichen Stippchen auf. Typisch für Scharlach ist zudem die sogenannte "Erdbeer- bzw. Himbeerzunge". Nachdem die Zunge anfangs weißlichen Belag aufweist, ist sie im weiteren Verlauf samtartig gerötet und fällt durch ihre verdickte Oberfläche auf. Der Ausschlag tritt meist am zweiten bis vierten Krankheitstag auf. Er kann nur kurze Zeit zu sehen sein und schnell abblassen. Kleine Flecken stehen dicht beieinander und fließen auch ineinander. Das Exanthem beginnt an Kopf und Hals, lässt typischerweise die Umgebung um den Mund aus und breitet sich innerhalb von circa 24 Stunden über den gesamten Körper aus. In den Beugefalten von Armen und Beinen ist der raue Ausschlag besonders gut zu sehen. Übt man Druck auf die Haut aus, verschwindet die Rötung für kurze Zeit. Nach zwei Tagen blasst das Exanthem ab und es kann circa eine Woche später eine Schuppung der Haut folgen.

Sonderform Wundscharlach

Sehr selten können A-Streptokokken in eine offene Wunde gelangen und dort eine lokale Infektion, den sogenannten Wundscharlach auslösen.

Risiken und Komplikationen von Scharlach

Breiten sich die Streptokokken im Nasen-Rachen-Raum weiter aus, kann zu Scharlach auch eine

  • Mittelohrentzündung,
  • eine Nasennebenhöhlen-Entzündung,
  • ein Abszess im Rachenbereich,
  • oder eine Hirnhautentzündung

hinzukommen. Selten führt eine unbehandelte Scharlacherkrankung zu Krampfanfällen, Kreislaufversagen und Schock.

Weitere mögliche Komplikationen des Scharlachs sind:

  • rheumatisches Fieber
  • akute Glomerulonephritis (Nierenentzündung)

In beiden Fällen richten sich Antikörper, die das Immunsystem gegen die A-Streptokokken gebildet hat, fälschlicherweise gegen körpereigenes Gewebe.

Rheumatisches Fieber
Das rheumatische Fieber tritt zwei bis drei Wochen nach dem Scharlach auf und kann Gelenkentzündungen, eine Entzündung des Herzens sowie Bewegungsstörungen umfassen. In seltenen Fällen schädigen die Bakterien eine Herzklappe dauerhaft. Patienten, die an rheumatischem Fieber leiden, benötigen eventuell ihr ganzes weiteres Leben lang Antibiotika.

Glomerulonephritis (Nierenentzündung)
Die Poststreptokokken-Glomerulonephritis heilt in den meisten Fällen ohne Folgen aus. Tritt circa zehn Tage nach dem Scharlach eine Nierenentzündung (akute Glomerulonephritis) mit Blut und Eiweiß im Urin auf, hat diese eine Heilungschance von über 90 Prozent. Der Krankheitsverlauf kann einige Monate dauern.

Scharlach in der Schwangerschaft steigert das Fehlbildungsrisiko nicht

Im Gegensatz zu vielen viralen Kinderkrankheiten scheint der Scharlach keine Gefahr für Fehlbildungen beim ungeborenen Kind in der Schwangerschaft darzustellen. Mediziner konnten keinen Zusammenhang zwischen einer Infektion der Schwangeren mit A-Streptokokken und kindlichen Fehlbildungen feststellen. Auch Schwangere können bestimmte Antibiotika gegen Scharlach einnehmen. Trotzdem sollte die bakterielle Infektion rechtzeitig behandelt werden.

Scharlach Diagnose

In erster Linie ist der Scharlach eine Blickdiagnose. Der typische Ausschlag zusammen mit dem Bild, das sich im Rachenraum bietet, führt den Kinderarzt schnell auf die richtige Spur. Um die A-Streptokokken sicher nachzuweisen, kann der Erreger aus einem Rachenabstrich angezüchtet werden. Ein Schnelltest ist nicht ganz so zuverlässig, liefert dafür das Ergebnis sofort.

Im Blut lassen sich spezielle Antikörper gegen A-Streptokokken finden, die aber erst einige Wochen nach der eigentlichen Infektion gemessen werden können. Akut sind die Entzündungszeichen im Blut (Blutbild, C-reaktives Protein) auffällig.

Behandlung von Scharlach

Scharlach wird von Bakterien ausgelöst, daher wird die Erkrankung mit einem Antibiotikum behandelt. Das Mittel der ersten Wahl ist in Deutschland weiterhin das Penizillin. Die Einnahme erfolgt über zehn Tage und sollte nicht ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt abgebrochen werden. Eine unzureichende Behandlungsdauer kann Resistenzen der A-Streptokokken gegen Penizillin verursachen. Das Kind setzt sich außerdem einem erhöhten Rückfallrisiko aus. Ist der erste Tag der Behandlung mit Penizillin oder einem alternativen Antibiotikum wie einem Cephalosporin, Erythromycinoder Azithromycin beendet, gilt das Kind nicht mehr als ansteckend. Unbehandelt können die Bakterien noch bis zu drei Wochen weitergegeben werden.

Homöopathie kann die Genesung unterstützen

Zur Ergänzung der antibiotischen Therapie stehen Mittel aus der Naturheilkunde zur Verfügung. Neben Bettruhe, Schonkost, kühlen Getränken und fiebersenkenden Maßnahmen, findet bei Bedarf die Homöopathie Anwendung.

Hauptmittel sind hier:

  • Apis/Belladonna cum Mercurio Globuli
  • Erysidoron Tropfen
  • Vaucheria Tropfen
  • Cardiodoron Tropfen

Scharlach vorbeugen

Scharlach kann nicht sicher vorgebeugt werden. Eine Impfung gegen A-Streptokokken wurde bis jetzt nicht entwickelt. Ist ein Erkrankungsfall im Umfeld bekannt, kann der Kontakt zum erkrankten Kind gemieden werden, bis der erste Tag der antibiotischen Therapie abgeschlossen ist. Scharlach kann mehrfach hintereinander auftreten, da verschiedene Bakterienstämme die Erkrankung verursachen. Das Immunsystem entwickelt nur Antikörper gegen den jeweils vorliegenden Erreger.

Quellenangaben:

  • Christian Speer, Manfred Gahr, Pädiatrie, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2005
  • Schönau et.al., Pädiatrie integrativ, Konventionelle und komplementäre Therapie, Urban&Fischer München, 2005
  • Peter H. Höger, Kinderdermatologie: Differenzialdiagnostik und Therapie bei Kindern und Jugendlichen, Schattauer Verlag 2011
  • https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Streptococcus_pyogenes.html