Windpocken bei Kindern

Windpocken, auch Varizellen genannt, sind eine weltweit verbreitete Infektionserkrankung, die zu den typischen Kinderkrankheiten zählt. Verursacher ist das Varizella-Zoster-Virus. Es löst beim ersten Kontakt die Windpocken aus, ruht dann in Nervenzellen, von wo aus eine Reaktivierung als Gürtelrose (Herpes zoster) erfolgen kann. Das Virus kann selbst außerhalb des menschlichen Körpers für einige Tage ansteckend bleiben. Die Infektion erfolgt über die Luft oder als Schmierinfektion. Der Inhalt der Windpockenbläschen ist hochinfektiös. Vor Einführung der Impfung hatten 90 Prozent der Kinder die Erkrankung bis zum 14. Lebensjahr bereits durchgemacht. In den ersten acht Jahren der allgemeinen Impfempfehlung sank die Häufigkeit der Varizelleninfektion um circa 85 Prozent.

Wichtiges in Kürze

Inkubationszeit: 11 - 21 Tage

Ansteckungszeitraum: 2 Tage vor Auftreten des Hautausschlags bis zum Abfallen der letzten Kruste

Durch die Erkrankung erworbene Immunität: lebenslang

Vorbeugen: Impfung zwischen dem 11. und dem 14. Lebensmonat und zwischen dem 15. und dem 23. Lebensmonat, meist in Kombination mit der Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR).

Ursache der Windpocken

Das Varizella-Zoster-Virus wird über die Luft, eingeschlossen in Tröpfchen, weitergegeben und kann in einem Umkreis von mehreren Metern neue Menschen infizieren. Der Inhalt der Bläschen, die im Laufe der Erkrankung auf der Haut entstehen, kann per Schmierinfektion verbreitet werden. Auch die Tränenflüssigkeit in den Augen ist infektiös. Der Mensch ist der einzige Wirt für das Virus aus der Familie der Herpes-Viren. Windpocken sind, wie der Name schon vermuten lässt, sehr ansteckend. Statistisch gesehen erkranken über 90 von 100 ungeimpfte Menschen, die dem Varizella-Zoster-Virus ausgesetzt waren. 

Herpes zoster ist weniger ansteckend

Tritt das Virus lange nach einer Windpockeninfektion als Herpes zoster (Gürtelrose) erneut in Erscheinung, ist die Ansteckungsfähigkeit deutlich reduziert. Nur der Bläscheninhalt ist infektiös. Das Umfeld kann also durch eine Abdeckung des begrenzten Hautausschlags geschützt werden. Steckt sich trotzdem eine Person bei einem Patienten mit Gürtelrose mit dem Varizella-Zoster-Virus an, entwickelt der Betroffene zunächst Windpocken. Ein Herpes zoster kann nur nach einer durchgemachten Varizellenerkrankung durch die Reaktivierung der in den Nervenzellen nahe dem Rückenmark (Spinalganglien) schlafenden Viren ausgelöst werden. Voraussetzung für eine Gürtelrose ist ein geschwächtes Immunsystem. Der Ausschlag tritt in dem Hautgebiet auf, das die betroffene Nervenbahn versorgt. Typischerweise ist die Augenregion, die Region um ein Ohr oder der Rumpf betroffen.

Windpocken Symptome - "gefüllte Bläschen"

Kind mit Windpocken© Dan Race - FotoliaWindpocken beginnen oft unspezifisch mit Krankheitsgefühl und eventuell leichtem Fieber. Es folgt der typische Hautausschlag nach einer Inkubationszeit von circa 11 bis 21 Tagen. Beginnend mit roten Punkten an Kopf und Rumpf kann sich der Ausschlag auch auf die Arme und Beine ausbreiten. Hand- und Fußflächen sind normalerweise nicht betroffen. Das Virus kann aber die Schleimhäute von Mund, Nase und Genitalien befallen. Typisch für Windpocken ist die Ausbreitung auf der behaarten Kopfhaut. Der Ausschlag juckt stark und verleitet die Kinder zum Kratzen. Innerhalb weniger Stunden verwandeln sich die hellroten Punkte zu flüssigkeitsgefüllten Bläschen, welche die Größe einer Linse erreichen können.

Krustenbildung der Bläschen bei der Abheilung

Wenige Tage später öffnen sich die Bläschen und heilen nach Austrocknung ab. Dabei bilden sie zunächst eine Kruste. Betroffene Kinder können mehrere hundert Flecken, Bläschen und Krusten gleichzeitig auf der Haut haben. Das bunte Muster des Hautausschlags wird von Ärzten als Sternenhimmelphänomen oder Heubner-Sternenkarte bezeichnet. Einige Patienten haben auch nur vereinzelte Windpocken, die kaum von den Eltern bemerkt werden. Kratzt ein Kind die Bläschen zu stark auf, können bei der Abheilung bleibende Narben entstehen.

Risiken und Komplikationen von Windpocken

Windpocken treten häufig bei kleinen Kindern auf, da das Virus hochinfektiös ist und sich in Kindereinrichtungen schnell verbreitet. Komplikationen sind in diesem Alter selten. Erkranken ältere Kinder oder Erwachsene, steigt das Risiko für Folgen wie:

  • Kleinhirnentzündung (Zerebellitis, Häufigkeit 1 : 4000),
  • Gehirnentzündung (Enzephalitis, Häufigkeit 1 - 2 : 10000),
  • bakterielle Infektion des Ausschlags,
  • Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie),
  • Lungenentzündung,
  • Leberentzündung,
  • Gelenkentzündung oder
  • Mittelohrentzündung.

Auch Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind häufiger von einem schweren Verlauf der Windpocken betroffen. Neugeborene können lebensgefährlich an Varizellen erkranken, wenn die Mutter um den Geburtstermin herum erkrankt.

Behandlung von Windpocken

Verlaufen Windpocken unkompliziert, werden nur die Symptome behandelt. Kinder können fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen erhalten. Bettruhe ist nur nach Bedarf einzuhalten. Viele Kinder fühlen sich subjektiv nicht sehr krank. Trotzdem müssen sie aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr bis zum Abfallen der letzten Kruste dem Kindergarten und der Schule fern bleiben. Gegen den Juckreiz helfen Antihistaminika, die als Tropfen oder Saft eingenommen werden. Zinkschüttelmixturen beschleunigen das Abtrocknen der Bläschen auf der Haut, stillen den Juckreiz und beugen einer Superinfektion mit Bakterien vor. Eine regelmäßige Hautpflege tut der Haut und der Seele des kleinen Patienten gut. Kurz geschnittene Fingernägel erschweren den Kindern das Kratzen und regelmäßiges Händewaschen hilft, Infektionen der Haut durch Bakterien zu vermeiden.

Therapie bei abwehrgeschwächten Patienten

Für Patienten, deren Immunsystem geschwächt ist, stehen Medikamente wie Aciclovir und Immunglobuline zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe können die Dauer und die Schwere der Erkrankung verringert werden. Diese Patientengruppe kann, ebenso wie Schwangere, nach einer fraglichen Ansteckung vorbeugend mit Antikörpern (passive Impfung) gegen das Varizella-Zoster-Virus behandelt werden. Einen absoluten Schutz bietet diese Maßnahme aber nicht.

Windpocken in der Schwangerschaft

Infiziert sich eine Schwangere zum ersten Mal in ihrem Leben mit dem Varizella-Zoster-Virus, kann das Virus in seltenen Fällen (ein bis zwei Prozent der Windpockenerkrankungen bei Schwangeren) über die Plazenta zum Kind gelangen. Geschieht dies zwischen der fünften und der 24. Schwangerschaftswoche, kann es bei dem ungeborenen Kind zu einem fetalenVarizellensyndrom kommen. Dieses Syndrom äußert sich durch:

  • Hautdefekte,
  • charakteristische zickzackförmige Narben,
  • Fehlbildungen des Skeletts,
  • Unterentwicklung der Muskulatur,
  • Schäden am Auge,
  • Fehlbildungen des Gehirns,
  • Lähmungserscheinungen und
  • Krampfleiden.

Entwickelt eine Frau während der Schwangerschaft eine Gürtelrose (Herpes zoster), besteht keine Gefahr für das ungeborene Kind in Kontakt mit dem Varizella-Zoster-Virus zu kommen.

Windpocken vorbeugen durch Impfung

Kinder können mit einer seit August 2004 von der STIKO (Ständige Impfkommission des Robert Koch Instituts) empfohlenen Varizellen-Schutzimpfung vor Windpocken geschützt werden. Die erste Dosis sollte zwischen dem 11. und dem 14. Lebensmonat gegeben werden. Entweder zur gleichen Zeit wie die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) oder frühestens vier Wochen später. Die zweite Dosis des Impfstoffs gegen Windpocken folgt zwischen dem 15. und dem 23. Lebensmonat, erneut in Kombination mit der MMR-Impfung. Je älter die Kinder werden, ohne eine Schutzimpfung erhalten zu haben, desto höher steigt das Risiko für Komplikationen im Zusammenhang mit einer Erkrankung an Varizellen.

Impfkalender

Quellen:

  • Christian Speer, Manfred Gahr, Pädiatrie, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2005
  • Schönau et.al., Pädiatrie integrativ, Konventionelle und komplementäre Therapie, Urban&Fischer München, 2005
  • Peter H. Höger, Kinderdermatologie : Differenzialdiagnostik und Therapie bei Kindern und Jugendlichen, Schattauer Verlag 2011
  • https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Varizellen.html

Bildernachweis:

Kind mit Windpocken - Dan Race - Fotolia.com

Stand: 25.11.2016